Video: Flüssigmyzel richtig einsetzen. Körnerbrut selbst herstellen (Pilzzucht Anleitung Teil 1)
- edelpilzeshop
- vor 7 Stunden
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Willkommen zu einem neuen Blogartikel, der unser neuestes Video vorstellt und Dich in unser Labor mitnimmt. Hier geht es um die Herstellung von Pilzbrut und wie ein Hobbypilzzüchter sicher und einfach mit Myzel arbeiten kann. Nino von edelpilze.shop erklärt Dir ausführlich, wie Du deine Pilzbrut richtig herstellst.
Viel Spass beim Schauen und Lesen!
„In der Pilzzucht dreht sich ja alles um Pilzbrut – das ist das Ausgangsmaterial, um Pilzkulturen herstellen zu können.“
Wenn du Pilze nicht nur kaufen, sondern selbst züchten willst, kommst du an diesem Thema nicht vorbei. In diesem Beitrag geht es darum, wie du aus einer kleinen Menge Flüssigmyzel eine große Menge Körnerbrut herstellen kannst – effizient, sauber und so aufgebaut, dass du langfristig unabhängig arbeiten kannst.
Der Startpunkt jeder Pilzzucht: eine saubere Reinkultur
Alles beginnt mit einer sogenannten Reinkultur. Dabei handelt es sich um eine Pilzkultur, die unter sterilen Bedingungen auf einer Petrischale wächst. Der entscheidende Punkt ist dabei die Reinheit:
„Wir haben keinerlei Kontaminationen oder andere Erreger da drin, sondern wirklich eine reine Pilzkultur.“
Diese saubere Ausgangsbasis ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Von hier aus wird das Myzel weitervermehrt – in der Praxis meist über den Zwischenschritt einer Flüssigkultur.

Flüssigmyzel: Der Schlüssel zu effizienter Vermehrung
Flüssigmyzel ist im Grunde Pilzmyzel, das in einer Nährlösung wächst. Der große Vorteil liegt darin, dass sich damit sehr schnell größere Mengen erzeugen lassen. Mit einer gekauften 10ml Spritze Myzel, die in ein Glas mit Nährlösung gespritzt wird, erzeugt man eine so große Menge Flüssigmzel, das ein Hobby-Pilzzüchter in einem Jahr kaum verbraucht bekommt.
„Aus einer Spritze mit 10 Milliliter Myzel macht man ungefähr 350 Milliliter – da kommt man ewig mit aus.“
Das bedeutet: Du startest mit einer kleinen Menge und kannst diese gezielt vervielfachen. Gerade wenn du regelmäßig Pilze züchtest, ist das die wirtschaftlich sinnvollste Methode, um kontinuierlich Myzel vorrätig zu haben, mit dem man dann Pilzbrut auf Getreide herstellt, um laufend Zuchtmaterial zur Verfügung zu haben.

Warum die richtige Nährlösung und Bewegung entscheidend sind
Damit sich das Mycel gleichmäßig entwickeln kann, braucht es nicht nur eine geeignete Nährlösung, sondern auch Bewegung. Ohne diese neigt das Mycel dazu, sich zu verklumpen. Dadurch kann es nur schwer weiterverarbeitet zu werden.
Hier kommt das Magnetrührgerät ins Spiel:
„Das sorgt einfach dafür, dass diese Mycel-Fäden schön klein und homogen werden.“
Durch das regelmäßige Rühren bleibt die Struktur fein und gleichmäßig. Das macht es später deutlich einfacher, das Mycel mit einer Spritze zu entnehmen und weiterzuverwenden. Idealerweise sollte man ein Mal täglich, oder mehrmals pro Woche das Glas mit der Nährlösung und dem Myzel einige Minuten lang duchrühren.

Was wenn ich kein Magnetrührgerät anschaffen möchte? Das Glas lässt sich auch schütteln, allerdings wird das Myzel dann nicht so gleichmäßig fein, es funktioniert aber dennoch.
Das Myzel sollte sich jetzt in der Nährlösung ca. zwei Wochen entwicklen, bis die Flüssigkeit voller Myzelstücke ist, wenn man das Glas etwas schwenkt.
Körnerbrut herstellen: Vom Flüssigmyzel zum Substrat
Sobald du dein Flüssigmyzel vorbereitet hast, kannst du damit Körnerbrut herstellen. In der Praxis wird dafür meist sterilisiertes Getreide – häufig Roggen – verwendet.
Der Ablauf ist unkompliziert, aber erfordert sauberes Arbeiten. Zuerst wird der Injektionsport des Getreide-Beutels und des Myzelglases desinfiziert, danach wird das Myzel mit einer Spritze auf gezogen und in das Getreide eingespritzt.
„Pro 1 Liter Körnerbrot ungefähr 2-5 ml einspritzen.“
Ein großer Vorteil dieser Beutel liegt im Injektionsport selbst:
„Wenn ihr die Nadel rauszieht, dann verschließt sich das Loch sofort. Ihr müsst nichts abkleben.“
Das minimiert das Risiko von Kontaminationen erheblich und macht die Arbeit deutlich entspannter.

Wie sich das Mycel im Beutel entwickelt
Nach der Beimpfung beginnt das Mycel, sich im Getreide auszubreiten. Erste Veränderungen sind oft schon nach wenigen Tagen sichtbar:
Mit der Zeit durchzieht das Mycel den gesamten Beutel. Ein wichtiger Schritt in dieser Phase ist das Auflockern und Durchmischen nach etwa einer Woche:
„Dann könnt ihr das Myzel schön aufzulockern und durchmischen, so wächst es gleichmäßiger.“
Dadurch wird das Wachstum beschleunigt, weil sich das Mycel gleichmäßiger verteilt. In der Regel ist die Körnerbrut nach etwa ein bis zwei Wochen vollständig durchwachsen und einsatzbereit.

Beutel oder Glas: Was in der Praxis besser funktioniert
Grundsätzlich lässt sich Körnerbrut auch in Gläsern herstellen. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell ein Nachteil: Das Material lässt sich nicht so einfach auflockern. Hat das Myzel die Körner erst einmal fest verbunden und hat man den Zeitpunkt für das Auflockern verpasst, kann man so hartes Myzel bekommen, dass man es kaum im Glas gelockert bekommt. Beutel sind hier deutlich flexibler. Sie lassen sich kneten und durchmischen, was die Arbeit erheblich erleichtert.
„Ich persönlich bin ein Freund von Beuteln, so habt ihr ganz wunderbar einfach euere Körnerbrut selber hergestellt.“
Lagerung: So bleibt dein Mycel lange haltbar
Sowohl Flüssigmyzel als auch fertige Körnerbrut lassen sich gut lagern. Wichtig ist dabei die richtige Temperatur.
Flüssigmyzel hält sich am besten im Kühlschrank im Bereich von etwa 2 bis 5 Grad. So kannst du es über längere Zeit nutzen und immer wieder neue Ansätze starten. Durch den geringen Bedarf an Flüssigmyzel für eine relativ große Menge an Körnerbrut, ergibt sich eine enorme Menge Myzel, mit der man eine noch größere Menge Substrat beimpfen kann.
„Ihr habt einen unermesslichen Nachschub an Pilzbrut.“
Ein kleiner Hinweis: Manche Pilzarten, wie der Rosenseitling, reagieren empfindlicher auf Kälte und sollten etwas wärmer gelagert werden. Die Lagerhinweise finden sich auf dem Produktlabel der Myzelspritze, die wir im Shop anbieten.
Hygiene: Der entscheidende Unterschied zwischen Erfolg und Kontamination
Ein Punkt zieht sich durch alle Schritte: sauberes Arbeiten. Schon kleine Verunreinigungen können dazu führen, dass sich unerwünschte Organismen ausbreiten.
Deshalb gilt:
„Achtet darauf, dass ihr nichts berührt und dass ihr eure Hände desinfiziert habt.“
Besonders wichtig ist das Desinfizieren von:
Injektionsports
Nadeln
Händen
Wer hier sauber arbeitet, spart sich später viel Ärger.
Fazit: Aus wenig Mycel wird eine stabile Pilzzucht
Wenn man den Prozess einmal verstanden hat, wird schnell klar, warum Flüssigmyzel so beliebt ist: Du baust dir damit Schritt für Schritt ein System auf, das dir langfristig ermöglicht, unabhängig und effizient Pilze zu züchten. Von der Reinkultur über die Flüssigkultur bis zur fertigen Körnerbrut – alles greift ineinander. Wir hoffen, Euch hat das Video gefallen. Abonniert gerne unsere Kanal auf Youtube!